Sachbuchchallenge winterkatze

 zu 6.Juli Zeh , Nachts sind das Tiere

Dieses Buch vereinigt 35 Essays bzw. Reden von Juli Zeh , die zum großen Teil schon einmal veröffentlicht wurden. Sie behandelt die unterschiedlichsten politischen Themen, z. B.Meinungsfreiheit, Terrorismus, Internetfreiheit und Datensicherung,Emanzipation ,Bildung,Zeitgeist,andere Länder…

Dabei vertritt die Autorin eine ganz eigene individuelle Sicht der Dinge,ohne Bindung an Parteien oder vorgegebene Meinungen,aber immer die Seite der Freiheit und der Selbstbestimmung , der Demokratie und der Vernunft . Es tut gut ,mal eine andere Stimme zu hören als  die immer gleichenPhrasen , die aus Fernseher und Zeitungen zu manchen Themen kommen. Ich möchte hier nur beispielhaft einen Text ansprechen , der eine Reise nach China behandelt.Juli Zeh war von chinesischen Schriftstellern eingeladen worden , und kam in das Land mit den hier üblichen Vorurteilen,wie Diktatur, Unterdrückung der Meinungsfreiheit,Wirtschaftsboom,der gefährliche Riese. Erstaunlicherweise wird sie von den Schriftstellern ausgelacht,die die Einschränkung der Meinungsfreiheit anscheinend nicht so ernstnehmen.Sie kommt ins Überlegen , ob ihr  Bild von China stimmt.Oder spielen ihr die Chinesen nur etwas vor? Und die Frage der Freiheit erfordert in einem so riesigen Land mit so vielen armen Menschen eine andere Sicht als bei uns.

Es kommt nicht darauf an , ob sie jetzt immer recht hat,aber es ist wichtig,findet die Autorin , vorgegebene Urteile nicht als gegeben zu nehmen, sondern zumindest darüber nachzudenke

zu 4. Malcolm Tait und Olive Tayler, Vögel . Von eleganten Eltern , graziösen Gänsen und zaghaften Zeisigen

Die beiden Autoren , beide Vogelliebhaber , haben ein ganz eigenes Sachbuch über  Vögel geschrieben. Sie sammelten allerlei Interessantes , Lustiges , Kurioses  und Wissenswertes aus der Welt der Vögel.

Darunter fallen Beschreibungen von Vögeln , Beobachtungen , Vögel in der Literatur, Vogelliebhaber in der Literatur , Listen über aussterbende Arten , Mythen und Sagen , Geschichten mit Vögeln und über Vögel,lyrische Worte , Fakten etc. ,einfach ein buntes Sammelsurium rund um das Thema Vögel und ihre Beobachter.Das Ganze ist liebevoll zusammengetragen und in kurzen Schnipseln präsentiert , so daß es auch für Nicht – Vogelkenner amüsant zu lesen ist.

Freilich kann man es nicht wie ein Sachbuch hintereinander weglesen , sondern am besten legt man es auf seinen Nachttisch und liest einfach mal immer wieder ein paar Seiten und erfährt nebenbei doch vieles über das große Thema “Vögel ” in jeder Hinsicht.Mit einem hübschen Einband ausgestattet und im taschentauglichen Format DIN A 6 eignet es sich auch gut als kleines Geschenk.

 zu 5. Karin Mölling , Supermacht des Lebens.Reisen in die erstaunliche Welt der Viren

Viren gibt es schon seit mehr als 3,5 Milliarden Jahren , sie stehen ganz am Anfang unserer Evolution , noch vor den Zellen. Ohne die Viren gäbe es nach Ansicht der  Virenforscherin Karin Mölling keine Entwicklung , keine Zellen , keine Vererbung.Denn Viren können u.a. von Zelle zuZelle springen , Geninformationen aufschneiden und verändern sowie Veränderungen weitergeben.

Es gibt die verschiedensten Arten von Viren , riesige Gigaviren , die größer als Bakterien sind , und winzige Mikroviren .Wir kennen meist nur die Viren , die uns krankmachen , von Schnupfen über Hepatitis , Aids , Pocken und SARS .Denn Viren wollen nur eins : sich vermehren.Deshalb stehen manche auch im Verdacht , an der Entstehung von Krebns beteiligt zu sein.

Aber Viren können auch vor Krankheiten schützen , da sie die Wirtszelle besezten und andere Viren und Bakterien vertreiben.Und es gibt sogar Versuche , mithilfe von Viren kranke Zellen in den Selbstmord zu treiben.

Normal existieren in unserem Körper Viren , Bakterien , Pilze und Mikroorganismen in einem Gleichgewicht. Dieses kann aber durch viele Einflüsse gestört werden und dann machen die Viren eben auch krank.

Ich habe einige Zeit gebraucht , bis ich das Buch durchgelesen hatte.Ich bin ein absoluter Laie , was Mikrobiologie etc. betrifft,denn mein Schulwissen ist auch schon eine Weile her. Die meisten Begriffe wie RNA , DRNA , Replikation usw. habe ich mal irgendwann gehört , aber konnte sie nicht mehr einordnen. Daher fand ich es manchmal schwer verständlich , dem Buch zu folgen , und es zu verstehen.Ich werde mich auch hüten , mich über das Sachgebiet auszulassen , denn da sage ich bestimmt was Falsches. Trotzdem hatte ich mit der Zeit das Gefühl , von dem Großen,Ganzen mehr zu verstehen , ohne alle Einzelheiten zu kapieren.

Gestört hat mich die Selbstbeweihräucherung , denn Frau Mölling scheint mit allen wichtigen Personen zu tun gehabt zu haben ,und an den wichtigsten Entdeckungen immer beteiligt gewesen zu sein.Auch die eingestreuten Anekdoten haben mich eher genervt als amüsiert , aber das ist wohl Geschmackssache.

Was mich aber am meisten genervt hat , war die achselzuckende  Behandlung der Versuchstiere. Da wurden einfach ganze Lastwägen mit Hühnern oder Mäusen rangekarrt , ohne das ich irgendwo das Gefühl hatte , die Biologen denken noch daran , daß es sich hier um Tiere handelt.Ich hätte mir hier mehr Respekt oder Nachdenklichkeit gewünscht.

Ebenso fand ich die Selbstverständlichkeit erschreckend,mit denen im Erbgut rumgeschnippelt wurde , hier eine Sequenz weg , dort eine drangehängt , und munter in eine Zelle oder eine andere DNA geschleust – da wird mir doch etwas mulmig zumute.

So fand ich das Buch zwar hochinteressant , undes entspricht bestimmt dem Denken unserer Wissenschaftler , aber bei mir hat es ein zwiespältiges Gefühl zurückgelassen.

zu 8. Petra Hartlieb, Meine wundervolle Buchhandlung

Petra Hartliebs Buch beginnt damit, wie ihr Mann Oliver und sie eine Buchhandlung in Wien erwerben .Sie ist geborene Österreicherin und vor Jahren ihrem Mann nach Hamburg gefolgt. Er arbeitet in einem großen Verlag, sie ist freie Journalistin. Als sie bei einem Besuch in Wien zufällig an einer alten kleinen Buchhandlung vorbei kommen die verkauft wird, geben sie mehr oder weniger ernst ein Gebot ab . Irgendwann wird ihnen mitgeteilt, dass sie die Buchhandlung erworben haben.

Nach kurzem Zögern lassen sie alles in Hamburg hinter sich und ziehen nach Wien, wo sie innerhalbweniger Wochen alles für das Weihnachtsgeschäft herrichten müssen.

Und dann kommen die Probleme. Was muss man alles gesetzlich und betriebswirtschaftlich  beachten? Wo gibt es einen Kitaplatz für die Tochter?  Wo sollen sie leben, bis die Wohnung  fertig ist ?Was macht der Sohn (16 ) derwei allein in Hamburg? Wo bekommt man Personal?

 Das Buch ist eine Liebeserklärung an Buchhandlungen und Bücher, an lesebegeisterte Kunden, Freunde und den Buchhandel mit Herz und Liebe, der zwar nicht zu Reichtum führt, aber glücklich machen kann. Nebenbei erfährt man viel über die Hinterhausgeschehnisse wie Lieferung, Bestellungen, Buchmesse, Verleger und den Kampf gegen Amazon. Ich habe jedenfalls mal wieder Lust bekommen, wirklich öfter in einer Buchhandlung zu stöbern, vor allem da mich der Laden mit seiner Enge, Unordnung und der eisernen Wendeltreppe an meinen Ausbildungsbetrieb erinnerte.

 zu 7.Peter Teuschel, Der Mann , der sich in die Zebrafrau verliebte

Peter Teuschel ist Psychiater und Psychotherapeut in München. In seinem Buch erzählt er über Menschen , die seinen Weg in der Praxis kreuzen .Der Untertitel lautet :Geschichten über Menschen zwischen Wahn und Wirklichkeit . Die Menschen in seinem Buch halten ihren Wahn für die Realität , und der Autor schafft es ,   ihr Leben mit Respekt  zu  behandeln , und sie mit ihren Krankheiten nicht ins Lächerliche zu ziehen. Sein Ziel ist es ,die vielfältigen Versuche nach dem Gelingen des Lebens zu beschreiben.

Die erste Geschichte , Der Kuss der Zebrafrau , handelt von einem altem Mann , der sein Leben lang unter psychischen Störungen litt , und jetzt einsam in einem dunklen Heimzimmer lebt. Dort verliebt er sich in die Zebrafrau , die erin einem Musikvideo sieht,und er ist überzeugt , dass diese Frau draußen auf ihn wartet.Deshalb nimmt er seine Tabletten nicht mehr , und verschwindet nachts aus dem Heim.Die Frage ist jetzt:soll ihn der Psychiater mit Medikamenten und Therapie von dem Wahn befreien oder ihn darin belassen, da er sichtlich glücklich ist?

Die zweite Geschichte , Der Kannibale im Ehebett , behandelt eine Frau , die nicht mehr weiß , dass sie verheiratet ist , undihren Ehemann für Hannibal Lecter hält. Hier geht es darum, herauszufinden , warum das Gehirn diese Tatsache vergessen will .Der Psychiater muss mit seiner Patientin “über eine Brücke gehen , “.ö

In der Geschichte Eis taucht eine Frau auf , die unfähig zu Gefühlen ist. Im Traum geht sie durch eine kalte schöne Marmorstadt,und entdeckt einen geheimen Kellergang , der ihr einerseits Angst macht , den sie aber unbedingt weitergehen will.Unter Hypnose bekommt sie einen Blick auf ihre möglichen Gefühle.

Der Patient aus der Geschichte Helden ist spielsüchtig , und trifft sich mit dem Psychiater in einem Gasthaus in dem Spiel  World of  Warcraft.Hier stellt sich das Problem , inwieweit ein Psychiater einen Unbekannten behandeln kann , den die Figur in einem Spiel entspricht selten der Realität.

Positiv erscheint mir an allen Geschichten , daß Peter Teuschel sich selber und die Methoden immer wieder in Frage stellt. ER lässt sich auf die Welt seiner Patienten ein,ohne sich ihnen auszuliefern , und ihm bleibt bewusst , daß er nur einen kleinen Teil des Lebens mitbekommt.

Ich hätte mir noch genauere Analysen der Krankheitsbilder , verschiedene Behandlungsmethoden und Lösungsansätze gewünscht.Das Buch ist interessant geschrieben , leicht zu lesen,und das ist mein größter Kritikpunkt,es ist zu leicht und einfach zu lesen. Man vergisst die Leiden , die dieses Leben für die Patienten oft bedeutet

zu 10. Rüdiger Dahlke,Aggression als Chance

Im Buch des Arztes Rüdiger Dahlke geht es um das Thema Aggression , ein Thema , das bei uns in der Gesellschaft verdrängt und als sehr negativ angesehen wird. Diese Haltung hält der Autor für falsch , gehört Aggression doch zu unserem Leben und unserer Welt dazu , und der Mensch sollte sich damit auseinandersetzen , anstatt die Aggression zu verdrängen.

Im ersten Teil seines Buches geht es um das Prinzip der Aggression.Auf den ersten Seiten stellt Dahlke mehrere Theorien zu Mensch und Aggression vor , die diese mit Gewalt gleichsetzen. Dabei greifen seiner Meinung nach die biologische Erklärung (der Mensch brauchte die Gewalt zum Überleben und ist auch heute noch ein Raubtier ) sowie,das Lernprinzip ( Kinder lernen von ihren Eltern und der Umwelt die Aggression ) zu kurz. Zwar zeigt er auf , wie in der Gesellschaft Aggression genutzt wird (Fremdenhass, Zusammenhalt einer Gemeinschaft , blinder Gehorsam , Militarismus ),aber das Prinzip Aggression , das er NICHT mit Gewalt gleichsetzt , sieht er eher in den alten Mythen der Griechen und Germanen begründet.

Er bezieht sich auf das Beispiel von Prometheus , der den Göttern aggressiv das Feuer stahl und den Menschen brachte , die damit einen großen Teil der Macht der Götter übernahmen. Prometheus wurde zwar hart bestraft , aber ohne seine Tat hätte die Menschheit sich nicht weiterentwickeln können.

Aggression , bei den Griechen /Römern vertreten durch Ares /Mars ,spielt also eine wichtige Rolle im Leben und in der Welt , zusammen mit seinem Gegenpol,der Venus. Beide können ohne einander nicht existieren ( siehe auch Yin und Yang )und brauchen einander. Im weiteren zählt er Beispiele für aggressives Verhalten im Alltag auf , die sich vor allem im männlichen Prinzip zeigen (Krieger , Kämpfe Sport ). Männlich heißt nicht , daß nur Männer sich so verhalten ;seiner Ansicht nach ist die marsianische Aggression ein offener Kampf , während das weibliche Urprinzip Pluto eher hinerhältig agiert.

Hinzu kommt noch die Projektion , d.h. die eigene Aggression wendet sich bei anderen gegen das , was man an sich selber schlecht findet bzw. wovor man Angst hat (Beispiel Inquisition : weil die katholische Kirche Angst vor den Frauen und den Versuchungen des Sex hatte , musste  sie die Frauen und  den Sex als teuflisch verfolgen anstatt einzusehen , daß die Männer  ganz normale Gefühle hatten ).

Die Verleugnung und Verneinung des Prinzips der Aggression macht uns krank und zeigt sich auf unterschiedliche Weise im Körper . Damit kommt der Autor zum zweiten Teil , den Krankheitsbildern und Lernaufgaben.Seiner Meinung nach versucht unser Körper , uns durch seine Krankheit auf ungelöste Aggressionskonflikte aufmerksam zu machen ,und gibt uns   die Chance , uns damit auseinanderzusetzen. Dabei kritisiert Dahlke die konventionelle Medizin , die nur auf Unterdrückung der Sympthome und auf Verdrängung von körperlichem Schmerz aus sei.

Im Einzelnen behandelt  er Infektiomskrankheiten , die durch Pilze , Viren oder Bakterien ausgelöst werden , wobei er der Ansicht ist , daß die drei Erreger auf verschiedene Art Aggression verkörpern und einen Menschen nur „erwischen “ können , wenn dieser geschwächt ist , weil er seine eigenen Aggressionen nicht erkennt und verarbeitet.Deutlicher wird das noch bei den Allergien und den Autoaggressionskrankheiten wie Rheuma,Krebs, Fibromyalgie etc..Der Körper bringt die Aggression zum Vorschein , die man sich selber nicht eingestehen will , und grade dies ist seiner Meinung nach die einzige Chance zur Heilung. Durch Homöopathie und Psychotherapie soll der Mensch erkennen ,wo seine Aggression liegt. Dann soll er Möglichkeiten suchen , sie in positiver Weise einzusetzen , als Ursprung von Kreativität und Mut , denn dafür ist die Aggression nötig.In ähnlicher Form behandelt er das Gebiss , welches besonders anfällig ist sowie Hyperaktivität bei Kindern , die seiner Meinung nach eben diesen Grund hat.

Das Ganze Buch hört sich sehr esoterisch und abgehoben an.Aber ich finde doch , daß einige interessante  Ideen darin stecken.So finde ich es richtig , Aggression nicht mit Gewalt gleichzusetzen und darauf hinzuweisen , daß sie zu uns als Menschen gehört und auch nicht von Haus aus schlecht ist. Außer dem ist es besser , sich bewußt zu machen , warum man z. B. einem anderen gegenüber aggressiv empfindet ,als ihm einfach eines über den Kopf zu hauen.Auch die Ansätze zu den Krankheiten sollte man neben der Schulmedizin mehr in Betracht ziehen.Es ist jedenfalls kein Weg ,sie totzuschweigen oder zu leugnen , daß sie zu uns allen gehört.

zu 3.Jutta Jacobi , Die Schnitzlers. Eine Familiengeschichte

Ich habe das Buch für Winterkatzes Sachbuch Challenge gelesen , weil ich Familiengeschichten gerne lese , die sich über das letzte Jahrhundert erstrecken. Von Arthur Schnitzler habe ich wenig gelesen , ich brachte ihn mit der Zeit von Sigmund Freud und der Zeit vor dem ersten Weltkrieg in Österreich in Verbindung..

Im vorderen Umschlag ist ein Stammbaum ,Gott sei Dank , denn die Schnitzlers haben meist mehfach geheiratet , gerne Kinder bekommen und blieben immer miteinandre in Verbindung.

Das Buch ist aufgeteilt in die Jahre 1858 – 1893 ,die in Ungarn und Wien spielen und sich um Johann Schnitzler ,  seine Herkunft und seinenAufstieg drehen; den zweiten Teil ,die Jahre 1893- 1931 , in Wien ,Berlin und Venedig ;hier spielt Arthur Schnitzler ,seine künstlerische Karriere ,seine Frauen und seine zweiKinder die Hauptrolle. Der dritte Teil erzählt aus den Jahren der Emigration und der Nachkriegszeit in Wien ,Cambridge,Zürich und Amerika 1931 – 1982.Der vierte Teil bildet den Abschluss mit den Schiksalen der noch lebenden Schnitzlers 1982 – 2014.

Es beginnt mit Johann Schnitzler ,der aus Ungarn wie vilele Juden in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts nach Österreich und hauptsächlich nach Wien gingen ,weil ihnen von der Regierung 1867 die Gleichheit vor dem Gesetz garantiert wurde.Es ist spannend zu verfolgen ,wie Johann einer der erfolgreichsten Ärzte  vor allem auf dem Gebiet des Kehlkopfes wurde , wie er eine Klinik aufbaute , in eine gute Familie einheiratete und sich gegen Neider und Gegner zu Wehr setzen musste.Dabei spielte für ihn selber wie auch die meisten anderen Juden ihre Religion keine große Rolle.Sie blieben zwar in ihren eigenen Reihen , stellten aber ihr Jüdischsein im Gegensatz zum neu aufkommenden Zionismus , der später in der Gründung des Staates Israel mündete.Johann Schnitzler lebte in der österreichischen Gesellschaft und fühlte sich dort wohl.Auch seine beiden Söhne begannen Medizin zu studieren

Nur manchmal klingt eine andere Seite an , wenn erzählt wird , daß mehrere Angehörige durch eine Waffe ums Leben kamen. Und Arthur Schnitzler hängt nach dem Tod seines Vaters den Beruf an den Nagel und wird das , als was er sich versteht : Künstler.In seinen ersten Jahren bis zum 40. Geburtstag liebt er mehrere Frauen und benimmt sich  vor allem seiner schwangeren Geliebten gegenüber nicht recht verständnisvoll.Mit Olga lernt er dann die Frau seines Lebens kennen , die er heiratet , mit der er Kinder hat , und mit der er auch nach der trennung am engsten verbunden bleibt.Ansonsten führt er ein großbürgerliches Leben ,ist glücklich in Wien,liebt Konzerte und Theater und ist ein berühmter Sohn der Stadt.

Den ersten Weltkrieg erlebt er als Weltruin , als Untergang seiner Welt , auch wenn er oder seine Familie nicht persönlich betroffen sind .Seine Kinder hegen auch künstlerische Ambitionen.Heinrich wird Schauspieler ,geht nach Berlin , das in den 30er Jahren Wien als Kulturstadt den Rang abgelaufen hatte. Seine Tochter Lili , intelligent und sein Liebling,geht nach Venedig , heiratet dort einen faschistischen Offizier und erschießt sich mit 19 . Depressionen liegen wohl in der ganzen Familie , schon die Mutter von Arthur Schnitzler hatte oft ” Kopfschmerzen “.

1931 stirbt Arthur Schnitzler und muss nicht mehr miterleben , wie seine Werke im angeschlossenen Österreich auf den Index kommen. Seine Sohn Heinrich und dessen Frau Lilly emigrieren  nach Amerika ,und holen ihren Sohn Peter nach. Der zweite Sohn Michael wird schon in Amerika geboren.Die Euphorie ist groß am Anfang , doch die ernüchterung folgt.Theater , Kultur ist in Amerika etwas völlig anderes als in Europa.Und Schnitzler ist hier kein berühmter Name , obwohl es den Schnitzlers besser geht als vielen Auswanderern.Sie haben Freunde,Arbeit und richten sich langsam ein Leben ein.Die Kinder werden Amerikaner.

Währenddessen ersucht Olga Schnitzler verzweifelt , den Nachlass ihres Ex – Mannes zu retten und schenkt schließlich alles der Uni Cambridge.Sie selbst geht nach England ins Exil.

Am interessantesten fand ich die Zeit,als der Krieg vorbei war,wie jeder anders damit umgeht. Heinrich will wieder zurück nach Europa,wie viele Theaterleute,und seine frau Lilly geht notgedrungen mit.Sie bekommt ihre Freiheit erst mit dem Tod ihres Mannes.Olga Schnitzler wird streng katholisch. Peter , der ältere Sohn ,kann mit Europa nichts anfangen,er versteht sich gar nicht mit seinem Vater , der inzwischen als der Hüter des Schnitzlererbes gilt.Peter wird Künstler und Hippie  und bleibt bis ins Alter ein Künstlertyp. Sein Bruder Michael macht in Europa eine Musikkarriere , engagiert sich später aber hauptsächlch für den Erhalt des Regenwaldes in Costa Rica und weitere Umweltprojekte.

Giuliana schließlich die Tochter von Peter, ist zu ihrem jüdischen Glauben zurückgekehrt,und Vorsteherin der Gemeinde. Sie legt immer noch Blumen auf Arthur Schnitzlers Grab in Wien

Ich fand das Buch toll , spannend geschrieben,mit Fakten nicht überbelastet,aber doch sachlcih .Ab und zu beschreibt die Autorin ihre Suche an den historischen Orten und ihre Begegnunggen mit den noch lebenden Familienangehörigen,das macht das Ganze sehr lebendig. Und ich habe auch nebenbei viel über die Zeit und ihre Menschen erfahren ,auch über Juden , ohne daß hgleich der Holzhammer rausgehölt wurde.Bezeichnend z.B. das schwierige Verhältnis nach dem Krieg zwischen den Rückkehrern aus Amerika und den ehemaligen Nazisympathisanten ,die am Theater genauso wie woanders tätig waren.

Und ich lese vielleicht wirklich mal was von Schnitzler.

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zu 9. Yvonne Hofstetter, Sie wissen alles

Wie intelligente Maschinen in unser Leben eindringen und warum wir für unsere Freiheit kämpfen müssen.In Yvonne Hofstetters Buch geht es um Big Data. Es geht um intelligente Technik, die Herrschaft von Internet Giganten und die Notwendigkeit, die Werte unserer Gesellschaft, z.B. die Würde des Menschen, zu verteidigen.

Der erste Teil des Buches handelt von den Anfängen der Datensammlung, – auswertung und – verwertung in den 90er Jahren im Militär , als es darum ging, Freund und Feind schnell und sicher zu unterscheiden. Die Entwicklung entsprechender Maschinen wurde ein Wettbewerb renommierter Firmen ,wobei die deutschen Entwickler durch dummheit aus dem Rennen flogen.

Der nächste Teil widmet sich der Finanzindustrie, für die viele der intelligenten und besten Entwickler arbeiteten. Immer schnellere und bessere Maschinen sorgten dafür, dass die Börsengeschäfte in einen virtuellen Raum verlegt wurden , d.h. Maschinen kaufen und verkaufen Aktien und wer das meiste Geld besitzt, kann sich die schnellste Maschine leisten. Die Konsequenzen haben wir in der Banken Krise erlebt.

Der dritte Schritt ,die Erfassung und Verwertung unserer persönlichen Daten im großen Stil wurde besonders durch die Enthüllungen von Edward Snowden öffentlich. Es geht um Smartphones, Vernetzung und das Ganze Drumunddran der  ‚ Industrie 4.0″.

Im letzten Teil fragt die Autorin nach der Bedeutung für unsere Gesellschaft und unsere Wertvorstellungen, die sich seit der Aufklärung entwickelt haben, die unantastbare Würde des Menschen, seine Privatsphäre. Und sie weist auf die Gefahren hin, die unser digitales Abbild für uns werden kann. Ganz wichtig ist ihr, dass sie die Maschinen nicht verteufelt, sondern zu einem geregelten Verhältnis mit ihnen kommen will.

Am Anfang hatte ich große Probleme mit dem Buch. Erstens habe ich für Militär nicht viel übrig und auch mein Verständnis für Technik und Mathematik ist gering. Aber ich habe mich dann doch hineingelesen und ich habe die Intentionen der Autorin doch verstanden. Mit Schrecken sehe ich z.B. die Werbungen der Telekom und diverser Autos, die mit der Vernetzung werben, dieses als positiv darstellen, weil sie das Leben vereinfachen.

Aber ist das die Aufgabe der Privatsphäre wert? Denn die erfassten Daten werden gespeichert und nicht gelöscht und für wer weiß was verwendet.Ein schwieriges Thema, aber eines, das uns alle angeht :wir und vor allem wir in  Europa müssen rechtzeitig Regeln und Gesetze festlegen, die uns als Menschen schützen .

 zu 2. Martina Rosenberg , Mutter wann stirbst du endlich

Dieses Buch ist der ehrliche Bericht einer Frau , die mit ihrer Familie ins Haus der Eltern zieht .Bereits nach kurzer Zeit erleidet der Vater einen Schlaganfall und bei der Mutter wird beginnende Demenz festgestellt. Damit beginnt eine jahrelange Tortur durch Pflegedienste , Ärzte , Behörden.Detailliert beschreibt sie , wie ihre Eltern ihr Leben und ihre Persönlichkeit verlieren , wie ihr Leben und das ihrer Familie außer Kontrolle gerät,da die Pflegesituation alles diktiert, und wie sie selber krank wird.

Dabei wird sie in ihrer Situation alleine gelassen ,niemand nimmt sich die Zeit ,sie zu beraten , der ständige Clinch mit Kassen , Behörden und Ämtern fordert Zeit und Nerven und es interessiert keinen , wie sie als pflegende Tochter sich eigentlich fühlt.

Sie hat dieses Buch geschrieben , um den Anstoß zu geben , über das Thema zu reden , in der Politik,der Gesellschaft und der Familie.Es ist wichtig , über dies Tabuthema zu reden:daß die Eltern oder wir selber hilflos werden und rund um die Uhr Betreuung brauchen .Und dazu ist auch die Politik gefragt , die Pflege anders zu regeln , damit sich die Angehörigen nicht aufreiben müssen.

Für Betroffene gut nachvollziehbar , sollte sich doch auch jeder mal damit auseinandersetzen , wie er altwerden will , denn niemand kann einfach davon ausgehen , daß er ohne Probleme alt wird und dann selig lächelnd im Schlaf stirbt.

 zu 1.Margot Käßmann , Das Zeitliche segnen

Der Untertite ldesBuches lautet “Voller Hoffnung leben , in Frieden sterben “.Und dieser Untertitel war mit der Grund,warum ich mich entschieden habe , dieses Buch für die Sachbuch Challenge zu lesen.

Margot Käßmann ist evangelisch – lutherische Theologin und Pfarrerin. Sie war mir aus Interviews und Fernsehporträts bekannt.

Ihr Buch befasst sich , wie der Titel schon sagt ,mit Tod,Sterben und dem Leben.Das Thema ist für mich von persönlichem Interesse,da ich meinen 50. überschritten habe und sich die Todesfälle in Verwandten – und Bekanntenkreis langsam häufen.

Insgesamt 10 Kapitel beleuchten die verschiedenen Aspekte des Themas.

Das ersteKapitel behandelt die momentane Situation in Deuschland.Wie und wo sterben die Menschen,wird darüber geredet,welche Möglichkeiten gibt es,wenn jemand sich auf das Sterben vorbereitet (z.B. Hospize und Palliativmedizin ).Die meisten Menschen bei uns sterben im Krankenhaus oft allein.Käßmann plädiert hier für einen bewußten Umgang mitdem Sterben in einer Atmosphäre,die selbst ausgewählt wurde.

Die nächsten 4 Kapitel behandeln die Probleme,die die Angehörigen mit einem unvorbereiteten Tod oder dem Sterben haben können.Themen sind die Begleitung des Sterbenden ,die anschließende Trauerarbeit,die oft hilfreichenn Rituale wie Lieder,Gottesdienste,Grabpflege und das Kapitel Kinder und Tod.Hier hilft nach Meinung der Autorin Offenheit , Zulassen von Trauer und Gefühlen .Es gibt hier keine Patentrezepte , wichtig ist ,sich auf die Situation einzulassen,einen Sterbenden zu begleiten oder zu betrauern.

Die nächsten zweiKapitel behandeln eher religiöse Fragen nach dem Sinn des Todes .Dabei zeigt Käßmann anhand von eigenen rfahrungen und Geschichten aus der Bibel , daßes Zweifel ,Angst vor dem Tod und Unsicherheit immer schon die Menschen plagten,und sie Antworten und Hilfe suchten undsuchen ,ob sie religiös sind oder nicht. Die Hoffnung auf Auferstehung,die allerdings in einer uns unbekannten Art und Weise stattfindet,erleichtert dem Gläubigen den Blick auf den Tod.

Das nächste Kapitel hat den Einzelnen im Blick,der sich auf seinen Tod vorbereiten kannund sollte.Dazu gehören Patientenverfügung,Testament und Vorsorgevollmacht ebenso wie ein ehrlicher Rücklblick auf das eigene Leben und die Fähigkeit,damit Frieden zu schließen.

Im 9. Kapitel wird die aktive und passive Sterbehilfe behandelt.Die Autorin möchte statt einer Selbsttötung lieber die Möglichkeiten der Palliativmedizin ausgenutzt sehen,die zusammen mit der Patientenverfügung die unnötige Verlängerung von Leiden auch heute schon verhindert.

Das 10. Kapitel schließlich widmet sich dem Leben . Grade die Tatsache,daß das Leben ein sicheres Ende hat ,lässt es uns intensiver und bewusster erleben.

Insgesamt fand ich das Buch trotz seines ernsten Themas nicht bedrückend oder traurig , sondern mutmachend.Mut zum eigenen selbstbestimmten Leben .Mut zu einem bewussten Sterben und zur intensiven Begleitung eines sterbenden Angehörigen.Viele eigene Erfahrungen,die geschildert werden,machen die Aussagen nachvollziehbar .Die religiösen Passagen sind auch für nicht religiöse Menschenverständlich und interessant..

Ich habe jedenfalls durch die Lektüre meinen Blickwinkel auf das Sterben,alte Menschen,Würde des Menschen auch in Heimen ,Trauer und Erinnerungen verändert.

zu 11.Professor Astrokatz :Universum ohne Grenzen. Von Dominic Wallmann und Ben Newman

Normalerweise habe ich mit Kinderbüchern weniger zu tun , seit meine Kinder älter sind.Aber dieses Buch ist mir von der Optik sofort ins Auge gefallen.Ben Newman ist ein fantastischer Grafiker , der schlichte verständliche Bilder kreiert , die schön sind und nicht so dümmlich oder kitschig wie oft in Kinderbüchern.

In dem Buch geht es um nichts weniger als das Universum , beginnend bei der Entstehung über die Geburt eines Sternes , die Planeten , Sternenbilder und die Geschichte der Raumfahrt bis zu der Frage nach Leben im All.Die präzisen Informationen sind auch für Kinder von der Länge gut zu lesen und so verständlich und anschaulich , dass ich alles verstanden habe , obwohl ich ein totaler Laie bin.Und es ist wirklich mit das Schwierigste , ein Sachbuch für Kinder verständlich zu schreiben , ohne kindisch oder dümmlich zu sein.

Ein tolles Sachbuch für Kinder ab 10 ,das auch Erwachsene begeistern kann .Sehr anschaulich (Wenn man in ein schwarzes Loch geraten würde , käme man durch den Druck wie  eine lange Spaghetti wieder raus).

Ich werde heute die  Sachbücher festlegen ,die ich lesen will.Die Reihenfolge ist zufällig.

  • Margot Käßmann , Das Zeitliche segnen. Voller Hoffnung leben , in Frieden sterben
  • Martina Rosenber, Mutter , wann stirbst du endlich? Wenn die Pflege derkranken Eltern zur Zerreißprobe wird.
  • Jutta Jacobi ,Die Schnitzlers . Eine Familiengeschichte
  • Malcolm Tait und Olive Tayler. Vögel . Von eleganten Elstern , graziösen Gänsenund zaghaften Zeisigen .
  • Karin Mölling , Supermacht des Lebens . Reisen in die erstaunliche Welt der Viren.
  • Juli Zeh , Nachts sind das Tiere . 40 Reden und Essays.
  • Peter Teuschel , DerMann der sich in die Zebrafrau verliebte.Geschichten über Menschen zwischen Wahn und Wirklichkeit.
  • Petra Hartlieb , Meine wundervolle Buchhandlung .
  • Yvonne Hofstetter , Sie wissen alles .
  • Rüdiger Dahlke , Aggression als Chance
  • Professor Astrokatz,Universum ohne Grenzen
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